„Neues Leben im Spielzeugladen“ SZ-Artikel vom 05.09.2017

Der Schiebocker Verein Chamäleon richtet die leeren Räume für Kreativ-Kurse und Ausstellungen her. Der Vermieter hilft.

05.09.2017
Von Gabriele Naß

Foto: © Steffen Unger

Katharina und Thomas Kucharek vor dem Laden an der Dresdener Straße in Bischofswerda, den sie zusammen mit anderen als neues Domizil für den Verein Chamäleon umbauen und einrichten. Die Eröffnung wird am Wochenende gefeiert.

Bischofswerda. Christian und Veronika Kletzsch fiel der Abschied schwer. Als sie sich im Mai letzten Jahres von ihrem Spielzeugladen an der Dresdener Straße in Bischofswerda trennten, um in den Ruhestand zu gehen, hatten sie monatelang überlegt: Weitermachen und darauf hoffen, dass der Umsatz nicht noch weiter zurückgeht, oder aufhören, weil Mitbewerber aufrüsten und erst recht gegen das Internet schwer anzukommen ist? Am Ende entschied die Vernunft. Dass das Ende ihres Familienbetriebes die Chance für Neues sein kann, hoffte Familie Kletzsch. Diese Hoffnung erfüllt sich nun.

Als die Kletzschens noch nach einem Mieter für ihr leer stehendes Geschäft suchten, liefen Katharina und Thomas Kucharek zusammen mit anderen Mitgliedern ihres Vereins Chamäloeon durch die Stadt. Auf der Suche nach einem neuen Domizil für den Verein liebäugelten sie mit Kletzschens Laden – der guten Lage im Zentrum wegen und auch, weil er barrierefrei ist.

Sie waren sich nur nicht sicher, ob sie die Miete würden bezahlen können. In der Vergangenheit war der Verein mehrfach umgezogen, stets dorthin, wo man sich auf Machbares einigen konnte. Ortsübliche Ladenmieten können die Ehrenamtlichen nämlich nicht aufbringen. Dass der Verein seinen Wunschladen trotzdem übernehmen konnte, ist dem Entgegenkommen des Vermieters zu verdanken. „Er hat uns eine Supermiete gemacht. Wir freuen uns total“, sagt Katharina Kucharek.

Dem Verein entgegengekommen

Was „Supermiete“ heißt, darüber möchte Christian Kletzsch öffentlich nicht sprechen. Aber er bestätigt, dass er dem Verein schon sehr entgegengekommen sei. „Weil es besser ist, jemand nutzt den Laden, als dass er leer steht. Leerstand schadet nur und kostet auch“, sagt er. Dafür, dass Chamäleon Interesse am Geschäft im Haus der Familie hat, seien sie sogar sehr dankbar, „Gute Leute, sehr sympathisch. Wie sie sich reinknien und was sie aus dem Laden machen! Wir sind zufrieden.“

Zum Festwochenende anlässlich 790 Jahre Bischofswerda am 9. und 10. September wird Chamäleon das in den letzten Wochen neu gestaltete Geschäft als „WerkStadtLaden“ wiedereröffnen. Die Nähe zu Kindern und Familien, wie sie die Vorgänger pflegten, bleibt. Der Verein ist seit seiner Gründung 2003 aus einem Freundeskreis heraus ehrenamtlich für alle da – Erwachsene, Jugendliche, Ältere, Menschen mit Handicap, aber vor allem auch für Kinder.

Treffpunkt mit Kreativ-Kursen

Die Vereinsmitglieder sind mit Aktionstagen, Workshops oder Projekten unterwegs. Inzwischen ziehen schon die Kinder der Gründungsmitglieder mit los. Zuletzt waren sie bei den Leinentagen in Rammenau. So oft wie früher geht es aber nicht mehr auf Tour. Dafür wird der „WerkStadtLaden“ als attraktiver Treffpunkt im Zentrum etabliert. Herzstück sollen dort die Kreativ-Kurse sein, mit denen sich der Verein über Bischofswerda hinaus Freunde macht. Gemeinsam kann man hier bald wieder Lampen und Windlichter bauen, mit Keramik, Glas und Emaille arbeiten oder Schmuck gestalten.

„Wir haben mehr Ideen als Zeit“, sagt Vereinschef Thomas Kucharek. Die Kurse leiten Vereinsmitglieder und Partner mit besonderen Fähigkeiten zum Beispiel auf den Gebieten Floristik und Stempin’Up. – Bei Chamäleon soll es etwas Besonderes sein. Dem entsprechen auch die Pläne für die Gestaltung des Ladens.

Zwar muss der Verein sehr aufs Geld gucken. „Der Umbau ist schon nicht einfach für uns“, sagt der Vorsitzende. Umso erstaunlicher ist, was trotzdem wird. Im hinteren Bereich der 80 Quadratmeter, die gestaltet werden können, soll die Werkstatt sein. Und vorn, bei der Tür und den zwei großen Schaufenstern, entstehen Ausstellungsflächen für alle, die ihre Kreativität öffentlich zeigen wollen. „Wir schaffen einen offenen Laden, in dem man sich begegnen kann“, sagt Thomas Kucharek.

Spender und Firmen unterstützen

Der Umbau kostet mehrere Tausend Euro. Solchen Aufwand zu betreiben, sei nur möglich, weil es Spender gibt und Firmen, die helfen. Eintausend Euro kommen auch aus dem Verfügungsfond der Stadt, der aufgelegt wurde zur Förderung ehrenamtlicher Initiativen, die Leben in die Stadt bringen oder das Leben schöner machen.

Dass der Laden an der Dresdener Straße 10 wieder genutzt wird, lag auch im Interesse der Stadt. Oberbürgermeister Holm Große, die Wirtschaftsförderung und das Stadtmarketing haben mit Familie Kletzsch Nachfolger gesucht. Bis zuletzt ging es auch um ein klassisches Geschäft. „Es gab Akquise auf verschiedenen Sektoren“, sagt der OB. Gespräche liefen unter anderem mit eigentümergeführten Spezialisten in der Region, um sie nach Bischofswerda zu holen. Auch die Hoffnung auf einen neuen Spielzeugladen habe bestanden. „Ziel war eine dauerhafte Nutzung. Dass es nun ein Verein ist, ist gut. Er bringt auch Leben in die Stadt“, sagt der OB.

Christian Kletzsch und seine Frau sind im Ruhestand angekommen. „Es geht uns gut. Wir verbringen viel Zeit mit den Enkelkindern“, sagt er. Christian Kletzsch erinnert sich, wie seine Frau in den ersten Jahren des Geschäftes Kreativkurse gegeben hat. Dass sich mit Chamäleon als Mieter und seinen Angeboten jetzt ein Kreis schließt, freue beide sehr.

Neueröffnung: 9. September ab 16 Uhr, 10. September ab 10 Uhr.

www.chamäleon-ev.de

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